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Bücher Rezension

NSA. Nationales Sicherheits-Amt – Andreas Eschbach

NSA - Nationales Sicherheits-Amt von Andreas EschbachTitel: NSA – Nationales Sicherheits-Amt / AutorIn: Andreas Eschbach / Verlag: Lübbe / Erschienen: September 2018 / 795 Seiten / 22,90€ (D) / ISBN 978-3-7857-2625-9

KLAPPENTEXT

Weimar 1942: Die Programmiererin Helene arbeitet im Nationalen Sicherheits-Amt und entwickelt dort Programme, mit deren Hilfe alle Bürger des Reichs überwacht werden. Erst als die Liebe ihres Lebens Fahnenflucht begeht und untertauchen muss, regen sich Zweifel in ihr. Mit ihren Versuchen, ihm zu helfen, gerät sie nicht nur in Konflikt mit dem Regime, sondern wird auch in die Machtspiele ihres Vorgesetzten Lettke verwickelt, der die perfekte Überwachungstechnik des Staates für ganz eigene Zwecke benutzt und dabei zunehmend jede Grenze überschreitet …
Was wäre, wenn es im Dritten Reich schon Computer gegeben hätte, das Internet, E-Mails, Mobiltelefone und soziale Medien – und deren totale Überwachung?

Quelle: Lübbe

MEINE MEINUNG

Andreas Eschbach greift in NSA ein hochbrisantes Szenario auf: Moderne Computertechnik in den Händen der Nationalsozialisten.

Protagonisten sind in dieser Geschichte Helene Bodenkamp, Programmiererin im Nationales Sicherheits-Amt, und Eugen Lettke, ihr Vorgesetzter. Beide lernen wir bereits im Kindes- und Jugendalter kennen und begleiten sie schließlich in ihren Beruf. Helene ist ganz klar die Sympathieträgerin, denn sie durchschaut, wie es scheint als einzige, die Grausamkeit der Möglichkeiten, die die Technologie bietet. Lettke dagegen bedient sich dieser Möglichkeiten heimlich für eigene perfide Zwecke.

Es gibt eine seltsam anmutende Rollenaufteilung in der IT: Das Programmieren ist Frauen vorbehalten. Sie entwickeln die Abfrage-Algorithmen, während Männer die Ergebnisse analysieren. Weil Deutschland Vorreiter in Sachen Computer-Technologie war, sind auch damit verknüpfte Begrifflichkeiten im Buch auf Deutsch: So heißt es beispielsweise Komputer und Volkstelephon und das soziale Online-Netzwerk nennt sich Deutsches Forum.

Selten habe ich ein derart spannendes und rasantes Buch gelesen. Das knapp 800 Seiten starke Werk konnte ich kaum aus der Hand legen. Dabei liest es sich mal wie ein Thriller, mal wie ein harmloser Roman. Doch kaum findet man sich in einer normalen Alltagssituation wieder, folgt auch schon das nächste Wachrütteln.

 

Weil die Maschine alles liest, alles hört und alles einteilt in erlaubte Äußerungen und nicht erlaubte, in fragwürdige und anerkennenswerte, und weil nicht mehr interessiert, was jemand zu sagen hat, sondern nur noch, ob er das Richtige oder das Falsche sagt. (S. 775)

 

Eschbach greift an vielerlei Stellen historische Fakten auf und verknüpft sie mit seiner Geschichte. Umso erschreckender ist es, zu lesen, wie anders alles verlaufen wäre, hätte es zur NS-Zeit tatsächlich schon Computer gegeben. Meinem Empfinden nach ist NSA keineswegs ein historischer Roman. Vielmehr wirkt das ganze Szenario brandaktuell und dystopisch. Der totalen Überwachung der Bevölkerung steht nichts mehr im Weg. Gerade zum Ende hin entsteht ein unfassbar schockierendes Szenario. Die technischen Möglichkeiten sind das eine, aber dass sie auch tatsächlich genutzt werden, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Die Frage nach Datenschutz stellt sich in NSA gar nicht. Die Geschichte lehrt uns, wie wichtig dieses Thema ist, auch wenn uns beispielsweise die DSGVO zunächst auf die Nerven geht. In den Händen eines diktatorischen Regimes wird Datenschutz bei fortschreitender Technisierung die einzige Hoffnung sein.

FAZIT

5 von 5 Lesebändchen

NSA schockt. Und das so sehr, dass es hoffentlich wirklich nur ein erfundenes Szenario bleibt. In den falschen Händen sind unsere Daten und damit wir selbst vor nichts mehr sicher. Spannend, erschreckend und leider gar nicht realitätsfern.

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2 Kommentare

  • Antworten Kate

    Hallöchen,
    das Buch klingt wirklich schockierend, aber das war eigentlich von Anfang an klar. Das ist vielleicht der Grund, weshalb ich noch nicht dazu gegriffen habe.
    Aber es freut mich, dass es dir so gut gefallen hat.
    Liebste Grüße, Kate

    4. November 2018 um 18:12
    • Antworten Luise

      Hallo Kate,
      vielleicht kann ich dich beruhigen: Nach der ersten Schock-Szene direkt zu Beginn startet die Geschichte erstmal in Helenes Kindheit/Jugend, was fast wie ein normaler historischer Roman ist. Erst nach und nach erfährt man von den Möglichkeiten der Komputer-Technologie, während Helene älter wird und dann beim NSA arbeitet. Also lass dich nicht abschreckend und nimm das Buch zur Hand, wenn es die Zeit erlaubt :)
      Ich würde gar nicht unbedingt sagen, dass es mir „gut“ gefällt, weil das einfach kein Buch ist, was man ins Herz schließt. Aber es ist, wie ich finde, ein wirklich wichtiges Buch und ich konnte keine Kritikpunkte finden.

      Liebe Grüße!

      4. November 2018 um 20:46

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