Jules Welt – Das Glück der handgemachten Dinge | Rezension

KLAPPENTEXT

Drei Monate vor ihrem 31. Geburtstag ist die Weltenbummlerin Jule auf der Suche nach den drei Großbuchstaben des Lebens: HLL – Heimat, Liebe, Lebensaufgabe. Um das alles zu finden, zieht sie in das Heimatdorf ihrer Großmutter und übernimmt eine geschlossene Schankwirtschaft. Jule möchte daraus etwas ganz Besonderes machen: ein gemütliches Kreativ-Café. Hier sollen sich alle, die ihrer kreativen Seite mehr Raum geben möchten, treffen und austauschen können. Denn seit sie denken kann, bastelt und backt Jule für ihr Leben gern. Und so hängt sie kleine Anleitungen ins Fenster, Tipps, Rezepte und Ideen rund ums Handarbeiten, Basteln, Kochen und den Garten. Aber nicht alle Dorfbewohner sind von Jules Plänen begeistert …

Quelle: Droemer Knaur

MEINE MEINUNG

Ein Kreativ-Roman! So etwas hat man wirklich nicht alle Tage in der Hand. Aber lässt sich das wirklich gut verbinden, Belletristik und DIY-Buch?

Zunächst sticht das Buch mit seiner schönen Gestaltung ins Auge. Das fängt beim Cover mit ausgestanztem Herz an und geht auf jeder einzelnen Seite mit kleinen Verzierungen und Illustrationen weiter. Zwischen den Kapiteln finden sich freie Seiten für eigene Ideen, die man schnell aufschreiben kann und am Ende folgt ein Abschnitt mit Rezepten und Bastelanleitungen. Das Design kann ich wirklich nur loben, es wirkt insgesamt einfach stimmig und inspirierend und passt damit hervorragend zur Geschichte.

Im Prinzip ist das Buch ein normaler Roman, der kreative Ideen beinhaltet, die von der Protagonistin Jule umgesetzt werden. Jule scheint ein echtes Multitalent zu sein. Nicht nur, dass sie ein Café eröffnen will, nebenbei ist sie auch stets am Werkeln, und Backen tut sie ebenfalls gern. Sie ist eine offene und liebe Person, die sicherlich jeder Leser schnell ins Herz schließt, besonders all jene, die selbst gern kreativ sind.
Die Nebenfiguren sind ein bunter Mix aus allen Charakterzügen, die man sich so vorstellen kann. Die meisten blieben für mich jedoch leider ein bisschen zu blass, im Vordergrund steht wirklich Jule.

Die Geschichte ist in ungewöhnlich langen Kapiteln verfasst. Angesichts des ohnehin nicht allzu dicken Buches, wären kleinere Häppchen vielleicht ein wenig angenehmer zu lesen. Dass Jules Gedanken im Gegensatz zum restlichen Text kursiv gedruckt sind, ist zunächst etwas verwirrend, aber daran konnte ich mich schnell gewöhnen. Dennoch frage ich mich, warum das hier so gemacht wurde. Auflockerung findet das Buch durch E-Mails von Jule an ihre Großmutter, der sie sehr nahe steht, sowie die bereits erwähnten Notizseiten und Anleitungen.

Zur Romanhandlung muss ich leider sagen, dass die Autorin viel Potenzial nicht genutzt hat. Beschreibungen gehen zumeist nur dann in die Tiefe, wenn es sich um Kreatives handelt, andere Geschehnisse werden nur kurz und knapp erzählt und es gibt einige Sprünge. Im Mittelteil hatte ich den Eindruck, dass die Handlung etwas stockt. Gerade am Ende merkt man dann sehr deutlich, dass die Geschichte eben nicht zu Ende ist und eine Fortsetzung in den Startlöchern steht.
Der kreative Aspekt des Buches wird sehr hervorgehoben. Ich denke, für alle Kreativen und die, die es werden wollen, kann „Jules Welt“ eine echte Inspirationsquelle sein. Ein DIY-Buch liegt hier aber bei weitem nicht vor. Bei den Anleitungen würden Bilder helfen, das Beschriebene besser zu verstehen und leider wurden meines Erachtens Begriffe aus dem DIY-Bereich (z.B. Distress Ink oder Decoupage-Kleber etc.) für Laien nicht ausreichend erklärt.
Trotz der kleinen Schwachstellen hat mir das Buch sehr gefallen und ich bin nun neugierig, wie es mit Jule, dem Café und den Dorfbewohnern weitergeht.

FAZIT

4 von 5 Lesebändchen

Mit „Jules Welt“ hat sich die Autorin an einem Mix aus Roman und DIY-Buch versucht und das im Großen und Ganzen gut hinbekommen. Zulasten des DIY-Teils geht leider ein wenig Tiefe in der Handlung verloren, dennoch schließt man die sympathische Kreativprotagonistin Jule schnell ins Herz. Für alle Bastler ist das Buch durchaus inspirierend, wer damit so gar nichts am Hut hat, sollte dann aber doch lieber zu einem normalen Roman greifen. Ich persönlich bin auf die Fortsetzung gespannt!

Nur drei Worte | Rezension

KLAPPENTEXT

Was Simon über Blue weiß: Er ist witzig, sehr weise, aber auch ein bisschen schüchtern. Und ganz schön verwirrend. Was Simon nicht über Blue weiß: WER er ist. Die beiden gehen auf dieselbe Schule und schon seit Monaten tauschen sie E-Mails aus, in denen sie sich die intimsten Dinge gestehen. Simon spürt, dass er sich langsam, aber sicher in Blue verliebt, doch der ist noch nicht bereit, sich mit Simon zu treffen. Dann fällt eine der E-Mails in falsche Hände – und plötzlich steht Simons Leben Kopf.

Quelle: Carlsen

MEINE MEINUNG

„Nur drei Worte“ erzählt die Geschichte von Simon und Blue, zwei schwule Jugendliche, die sich zunächst nur über anonyme Mails kennenlernen. Simon ist dabei der Hauptprotagonist, mit dem der Leser den Alltag erlebt und versucht, das Rätsel um Blues Identität zu lüften.

Wie man manchmal die Gesten eines Menschen auswendig weiß, aber nie seine Gedanken kennt. Und das Gefühl, dass Menschen wie Häuser mit riesengroßen Zimmern und winzigen Fenstern sind. (S. 24)

Becky Abertalli schreibt nicht nur aus Simons Perspektive, sondern auch genau so, wie Simon denkt und spricht. Das liest sich im ersten Moment etwas ungewohnt, aber man findet sich schnell rein. Das Buch ist also sowohl inhaltlich als auch sprachlich auf die Zielgruppe Jugendliche ausgerichtet.  

Simon ist eigentlich ein ganz normaler Highschool-Schüler, wäre da nicht die Tatsache, dass er schwul ist und es noch keiner weiß. Er wirkt sehr echt und authentisch, weil er sich nicht verstellt, sondern versucht, mit der Situation so gut wie möglich umzugehen.
Im Laufe der Geschichte erfahren die anderen Protagonisten von seiner Sexualität und die Reaktionen sind natürlich verschieden. Ohne zu viel verraten zu wollen, muss ich sagen, dass das Outing für meinen Geschmack etwas zu harmonisch aufgenommen wurde. Eine ernsthafte negative Reaktion blieb aus. Vielleicht wollte die Autorin damit Lesern in einer ähnlichen Situation Mut machen, aber für mich wirkte das leider ein wenig unrealistisch.

Spannungsaufhänger der Geschichte ist die Frage nach der Identität Blues, von dem Simon nur weiß, dass er auf dieselbe Highschool geht wie er. Kleine Einblicke in den Mailverlauf der beiden lockern das Buch schön auf.
Am Ende muss ich sagen, dass ich die vor Begeisterung übersprudelnden Meinungen zu „Nur drei Worte“ nicht ganz nachempfinden kann. Im Prinzip ist das Buch ein ganz normaler Jugend-Liebesroman, nur dass die Hauptfiguren eben homosexuell sind.

FAZIT

4 von 5 Lesebändchen

„Nur drei Worte“ ist eine süße Liebesgeschichte mit zwei schwulen Protagonisten, die ihre Identitäten erst lüften müssen. Das Buch ist wunderbar jugendlich verfasst und punktet mit einem tollen Hauptcharakter. Wer gern mal abseits der stereotypen heterosexuellen Paare lesen möchte, ist hier auf jeden Fall richtig. Insgesamt fehlte mir aber einfach das Herausragende, wirklich Besondere.