Die Reise der Amy Snow | Rezension

KLAPPENTEXT

Als Baby wurde Amy Snow ausgesetzt. Mittellos und von allen gehasst wird sie auf dem noblen Hatville Court aufgezogen. Die schöne Tochter des Hauses, Aurelia Vennaway, ist Amys einzige Freundin und der wichtigste Mensch in ihrem Leben. Als Aurelia jung stirbt, bricht Amys Welt zusammen. Aber Aurelia macht ihr ein letztes Geschenk: ein Bündel Briefe, das Amy auf Schatzsuche schickt. Einen Code, den nur Amy entschlüsseln kann. Am Ende erwartet Amy ein Geheimnis, das ihr Leben verändern wird. Amy Snow begibt sich auf eine Reise quer durch England.

Quelle: Ullstein

MEINE MEINUNG

Selten nehme ich ein Buch in die Hand und weiß schon nach wenigen Kapitel, dass es ein Lieblingsbuch wird. „Die Reise der Amy Snow“ hat es geschafft und mich von Beginn an verzaubert!

Wir können nichts festhalten. Die Zeit ist wie ein Fluss. Er trägt uns fort und meistens viel schneller, als uns liebt ist. (S. 232)

Das Lieblingsbuchpotenzial beginnt in diesem Fall beim Cover. Eigentlich ist es nicht besonders ungewöhnlich, derartige Gestaltungen finden sich bei historischen Romanen häufiger. Ich kann nicht genau sagen, woran es letztlich liegt, vielleicht an der Farbkombination, aber mir gefällt das Cover unheimlich gut und ich kann es mir gar nicht oft genug anschauen. Da mir auch der Klappentext zusagte, war klar, dass ich dieses Buch unbedingt lesen muss.

Tracy Rees packte mich sofort mit ihrem zauberhaften Schreibstil. Sprachlich ist der Roman an die Zeit um 1850 angepasst, was ihn sehr authentisch wirken lässt. Dennoch schreibt die Autorin leicht verständlich und dadurch liest sich die Geschichte sehr flüssig.

Wie sollte es auch anders sein, die Hauptperson des Buches ist Amy Snow. Als Baby im Schnee ausgesetzt, wird sie von der jungen Aurelia gefunden und trotz allen Widerstandes ihrer Eltern setzt sie sich durch und nimmt die kleine Amy bei sich auf. Nach Aurelias frühem Tod schickt man Amy jedoch sofort weg und sie muss sich von nun an allein durchschlagen.

Die Geschichte von den beiden Mädchen, die untrennbar und unbezähmbar sind, findet ihr Ende. Nur eine Geschichte wird weitergehen – und das ist meine. (S. 405)

Aurelia hat ihr eine Spur aus Briefen gelegt, die zu einem großen Geheimnis führen soll und der Amy fortan folgt. Auf ihrer Reise durch England lernt sie nicht nur viele liebevolle und gutherzige Menschen kennen, die sie gern bei sich aufnehmen, sondern findet vor allem auch zu sich selbst. Sie ist eine ausgesprochen ungewöhnliche Protagonistin mit einem starken Charakter, die gelernt hat, sich durchzukämpfen. Ich glaube, man kann gar nicht anders, als sie gern zu haben.

Die Suche nach Aurelias Geheimnis ist der Aufhänger der Geschichte und der rote Faden hinter der Handlung. Die Schnitzeljagd um die Briefe ist ein unheimlicher Spannungsfaktor, schließlich weiß man vorher nie, wohin Amy als nächstes reisen soll, wen sie dort trifft und was sie erlebt. Durch die ausführliche Beschreibung von Orten und Geschehnissen sowie Amys reflektierende Gedanken bringt die Autorin aber auch Ruhe in die Geschichte. Das große Geheimnis ist nach einer gewissen Zeit schon zu erahnen, dennoch bereitete es mir viel Freude, die Auflösung zu lesen und insbesondere, zu erfahren, wie es mit den Figuren, die einem so ans Herz gewachsen sind, weitergeht.
Am Ende schlug ich das Buch nur ungern zu. Viel lieber hätte ich noch mehr Zeit mit dieser wundervollen Geschichte verbracht, keine Seite war überflüssig. Da bin ich wieder beim Thema Lieblingsbuch 😉

FAZIT

5 von 5 Lesebändchen

Wer dieses Buch nicht liest, ist selbst schuld. Hinter dem wundervollen Cover verbirgt sich eine ganz besondere und ungewöhnliche Geschichte von zwei starken jungen Frauen, die sich mit ihrer Freundschaft den Umständen der Zeit widersetzen. Dazu ein toller Schreibstil und eine spannende Reise durch das England des 19. Jahrhunderts. Ganz klare Empfehlung!

Mein Bücherfrühling 2016

Der Sommer steht in den Startlöchern! Es wird Zeit, auf meine gelesenen Bücher im Frühjahr zurückzublicken. Leider muss ich feststellen, dass ich in den vergangenen drei Monaten vergleichsweise extrem wenig gelesen habe. Woran das lag? Wenn ich das wüsste…

Jane & Miss Tennyson | Emma Mills | 480 Seiten | Königkinder

Im Anschluss an die Buchmesse war dieses Buch eine meiner Urlaubslektüren. Und zwar eine ganz tolle! Was genau mir alles gefallen hat, steht in meiner Rezension.


Die Traumknüpfer | Carolin Wahl | 715 Seiten | Heyne

Ich habe gefühlt schon ewig kein klassisches Fantasy-Buch mehr gelesen, aber „Die Traumknüpfer“ konnte mich von Anfang an überzeugen. Carolin Wahl hat ein unglaublich gutes und atmosphärisches Werk geschaffen, das eigentlich eine Rezension von mir verdient hätte. Mangels Zeit und passender Worte ist es dann aber doch nichts geworden. Nun also hier meine Empfehlung an euch: Lest es! Und lasst euch nicht von der Seitenzahl abschrecken, ich hatte es nach wenigen Tagen durch, weil es sich wirklich gut liest und sehr spannend ist. Dazu die tiefschichtig konstruierte Fantasywelt und individuelle starke Charaktere – top! Nicht zu vergessen, dass es der Autorin gelungen ist, alles in einen Einzelband zu packen, der keine Seite zu viel oder wenig hat. Wenn ich so darüber schreibe, bekomme ich glatt Lust, das Buch nochmal zu lesen… 😉

Es muss wohl an dir liegen | Mhairi McFarlane | 511 Seiten | Knaur

Nachdem ich von „Vielleicht mag ich dich morgen“ so begeistert war, machte mich Mhairi McFarlane mit ihrem neuen Roman neugierig. Leider konnte sie mich aber nicht ganz überzeugen. Die Details sind in meiner Rezension nachzulesen.

Die Reise der Amy Snow | Tracy Rees | 476 Seiten | List

Ich würde fast sagen, dass Amy Snow mein Lieblingsbuch im Frühling war, obwohl auch meine ersten beiden Bücher wirklich toll waren. Nicht zu vergessen, dass es ja alles verschiedene Genres sind. Hier also schon mal eine dicke Empfehlung an euch! Genaueres gibt es dann bald in meiner Rezension (getippt ist sie bereits).

Nur drei Worte | Becky Albertalli | 315 Seiten | Carlsen

Was für ein süßes Jugendbuch! Die Liebesgeschichte von Simon und Blue ist wirklich zum Dahinschmelzen. Auch hier wird es bald eine Rezension geben 🙂
Das macht dann fünf Bücher… Somit kann es im Sommerrückblick ja fast nur besser aussehen. Und ausgerechnet jetzt, da ich so große Lust aufs Lesen hab, steht die Prüfungszeit bevor 🙁 Aber es gibt ja auch noch Semesterferien 😉

Kennt ihr die Bücher?
Was waren eure Lieblinge im Frühling? 

Es muss wohl an dir liegen | Rezension

KLAPPENTEXT

Mit ihren tizianroten Haaren und ihren Kurven ist Delia vielleicht nicht ganz der Model-Typ, aber dass Paul sie nach zehn Jahren gemeinsamen Glücks mit einer Studentin betrügt, trifft sie ziemlich unvorbereitet. Am Anfang glaubt sie, alles sei ihre Schuld. Doch dann erkennt Delia, dass die zerplatzten Seifenblasen von gestern die Chance auf das Glück von morgen bedeuten: Denn nun kann sie selbst entscheiden, wie sie die bunten Puzzleteile ihres Lebens neu zusammensetzt. Kurzerhand zieht sie zu ihrer besten Freundin Emma nach London und sucht sich einen neuen Job. Alles könnte gut werden. Wäre da nicht Adam, ein Skandalreporter und der härteste Konkurrent ihres neuen Arbeitgebers – denn er bringt die Schmetterlinge in Delias Bauch plötzlich kräftig in Wallung. Und zu allem Übel setzt Paul wieder alle Hebel in Bewegung, um Delia zurückzugewinnen.

Quelle: Droemer Knaur

MEINE MEINUNG

Mhairi McFarlane wusste mich mit ihrem letzten Roman „Vielleicht mag ich dich morgen“ sehr gut zu unterhalten, sodass ich gespannt ihr neues Buch zur Hand nahm. Leider konnte sie mich diesmal allerdings nicht ganz überzeugen.

Wenn man sich gerade beide Beine gebrochen hatte, war das vielleicht nicht der beste Zeitpunkt, um sich für einen Fallschirmsprung zu entscheiden. Oder so. (S. 88)

Die Hauptprotagonistin Delia stellt ihr Leben komplett auf den Kopf, nachdem sie sich von ihrer langjährigen Beziehung mit Paul getrennt hat. Sie kommt bei ihrer Freundin Emma in London unter und die turbulente Handlung nimmt ihren Lauf. Delias Vorgehen war für mich nicht immer nachvollziehbar. Im einen Moment ist sie sehr reflektiert und trifft gute Entscheidungen, nur um es im nächsten Moment wieder anders zu machen. Dabei wirkten einige Situationen und Handlungsaufhänger meines Erachtens leider etwas konstruiert. Nichtsdestotrotz findet Delia im Verlauf des Buches aus ihrem Alltagstrott heraus und langsam wieder zu sich selbst. Eine wichtige Rolle spielen dabei auch die Comics, die sie zeichnet und die immer mal wieder abgebildet sind.

Der Klappentext lässt es bereits vermuten: Delia ist mit Paul und Adam in eine erstklassige Dreiecksbeziehung verwickelt. Ein glatter Bruch mit ihrem alten Leben ist ihr nicht vergönnt, Paul versucht hartnäckig, sie zurückzugewinnen. Gerade an dieser Stelle hätte ich mir mehr Entschlussfähigkeit von Delia gewünscht, denn ihr ewiges Hin und Her war doch irgendwann etwas anstrengend. Vielleicht auch deshalb war ich am Ende nicht so ganz zufrieden. Ein/zwei Szenen mehr mit dem finalen Pärchen hätten sicher nicht geschadet und den ein wenig lang geratenen Mittelteil besser abgerundet.

Es gibt tatsächlich Männer, die Prinzipien haben. Nicht dass mir jemals einer von denen begegnet wäre. Aber ich habe mal einen in einem Film gesehen. (S. 329)

Dennoch konnte mich die Autorin wie schon beim Vorgänger mit ihrem humorvollen Schreibstil begeistern. Auch die mitunter recht skurrilen und eigenwilligen Nebenfiguren wussten zu unterhalten. Insgesamt war „Es muss wohl an dir liegen“ also durchaus eine recht angenehme Lektüre, die nur leider in meinen Augen ein paar Schwächen aufweist.

FAZIT

3 von 5 Lesebändchen

„Es muss wohl an dir liegen“ kann leider nicht mit Mhairi McFarlanes letztem Buch mithalten. Zwar überzeugen ihr Schreibstil und einige tolle Szenen mit den Nebenfiguren, dennoch kann ich über den langen Mittelteil und die etwas schächere Hauptperson Delia nicht hinwegsehen.